Bericht zur Tagung „Praktiken und Raum“

Vom 22. bis zum 23. November 2018 fand an der Friedrich-Schiller-Universität die interdisziplinäre Tagung „Praktiken und Raum“ statt. Die Tagung wurde durch die Mitglieder des wissenschaftlichen Netzwerkes „Humangeographische Forschungsperspektiven nach dem practice turn in den Sozialwissenschaften“ (finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft) initiiert und organisiert. Mit ungefähr 40 Teilnehmenden aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern eröffnete die Tagung vielfältige Perspektiven auf praxeologische Zugänge für raumbezogene Fragestellungen. In insgesamt 15 Vorträgen wurden unterschiedliche theoretische Ansätze und empirische Forschungsprojekte vorgestellt. Besonders hervorzuheben sind hier die Beiträge von Hilmar Schäfer („Globale Bewertungsräume“), Roland Lippuner („Die Praxis der Maschinen“), Diana Lengersdorf („Methodische Überlegungen zum Erleben von ereignendem Raum“), Matthew Hannah („The directedness of practice“) sowie Robert Schmidt („Situiertheit und Situativität sozialer Praktiken“). Neben diesen Vorträgen haben die Mitglieder des Netzwerkes auch die Möglichkeit genutzt, das für 2019 geplante Handbuch „Praktiken und Raum“ (transcript-Verlag) vorzustellen und ausgewählte Kapitel mit den Tagungsteilnehmenden zu diskutieren.

Gruppenbild der Tagungsteilnehmenden (Photo: S. Schäfer)

Von vielen Teilnehmenden wurde die offene und rege Diskussion und der interdisziplinäre Austausch zwischen der Humangeographie, Soziologie, Transformationsforschung sowie Ethnologie als sehr positiv und fruchtbar wahrgenommen. Für das Jahr 2019 plant das Praktiken-Netzwerk daher eine weitere Verstetigung des interdisziplinären Dialogs. Dafür sind unter anderem die Ausrichtung der humangeographischen Sommerschule in Halle unter dem Thema „Praktiken“ (11.-13. September 2019) sowie die Veröffentlichung des transcript-Handbuches vorgesehen.

 

Über das Netzwerk

Das Netzwerk „Praktiken“: Ausrichtung und ZieleMit seiner 1996 veröffentlichten Theorie der sozialen Praktiken setzt Theodore Schatzki neue und relevante Impulse für die Konzeptionen sozialen Handelns in den Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach der Konstitution des Sozialen und nach Verflechtung individueller Handlungsweisen mit übergeordneten sozialen Phänomenen. Zentrale Konzepte in Schatzkis Theorie sind zum einen „Praktiken-Arrangement-Bündel“, die verstärkt das Materielle für die Konstitution des Sozialen berücksichtigen, und zum anderen der „Zeit-Raum“ sozialer Praktiken. Eine Analyse der Orchestrierung von Zeit, Raum und Praktiken und deren Verdichtung zu „place-path-arrays“ ist der daraus folgende Auftrag für empirische Forschung. Der Zweck des Forschungsnetzwerks ist die Bündelung solcher praktikentheoretischer Forschung unter deutschsprachigen Humangeograph_innen mit dem Ziel theoretische und methodologische Themen zu diskutieren und diese für die humangeographische Forschung weiterzuentwickeln. An dem Forschungsnetzwerk nehmen Wissenschaftler_innen unterschiedlicher humangeographischer Ausrichtung teil, die anhand von drei Querschnittsthemen (politische Praktiken, Praktiken der wirtschaftlichen Transformation und des Marktes, Praktiken des Konsums) die Theorie der sozialen Praktiken aufarbeiten und den von ihnen bearbeiteten Forschungsthemen neue Impulse zuführen wollen.Auf der folgenden Abbildung wird Schatzkis komplexes Vokabular zur Konstitution sozialer Phänomene im Überblick zusammengefasst:

Abbildung: Konstitution sozialer Phänomene im praktikentheoretischen Vokabular Theodore Schatzkis (Quelle: Maus, Gunnar (2015): Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges. (Kieler Geographische Schriften, Bd. 127. Kiel: Geographisches Institut. S. 59.)

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen auf dem Deutschen Kongress für Geographie 2017 mit handlungs- und praxisinteressierten Geograph_innen diskutiert werden. Der Erkenntnisgewinn aus der dreijährigen Kooperation soll in gemeinsamen Themenheften und einem Handbuch zu „Praktiken und Raum“ festgehalten werden.